35 Jahre Physik- und Mathelehrer am Gronauer Gymnasium Drucken E-Mail

Rudolf Hentschel geht in den Ruhestand    

hentschel1Kann man die binomischen Formeln, z.B. (a + b)2 = a2 + 2ab + b2 singen? Man kann, bewiesen schwungvoll die Schülerinnen und Schüler aus der Klasse 5b mit ihrer Musiklehrerin Ursula Fischer-Rückleben zur Eröffnung der Abschiedsfeier für Rudolf Hentschel.

Über 35 Jahre hat dieser am Werner-von-Siemens-Gymnasium in Gronau als Mathematik- und Physik-Lehrer gewirkt, wie Schulleiter Helmut Seifen in seiner Laudatio erklärte. Gebürtig aus dem niederbayrischen Niederharthausen stammend, hat Hentschel an einem Düsseldorfer Gymnasium 1967 die Abiturprüfung bestanden und danach an der Universität Münster studiert. Noch als Student hat am Schlaun-Gymnasium als Tutor erste Lehrerfahrungen gemacht, bis er Ende 1974 in Gronau als Aushilfelehrer mithelfen durfte, den Lehrermangel zu mindern. Er blieb dem Gronauer Gymnasium während seiner Referendariatsausbildung am Lehrerseminar in Rheine und den Jahrzehnten danach erhalten. In seinen ersten Jahren als Studienrat und ab 1981 als Oberstudienrat hatte er sich mit Mengenlehre, Oberstufenreform und dem Gronau/Ahauser Kollegschulversuch auseinander zu setzen. In seiner Rede betonte Seifen, dass Hentschel immer bereit war, jüngeren Kolleginnen und Kollegen bei ihren ersten Gehversuchen zu helfen, so wie er selbst das Glück hatte, dass Helene Langen, die ebenfalls erschienen war, den Anfänger Hentschel unter ihre Fittiche genommen hatte.

hentschel2Sowohl Seifen, als auch Klaus Overesch für den Lehrerrat und Klemens Nolte für die Fachschaft Mathe sowie Rolf Hoogstoel und Anke Tapken als Sprecher der Physiker betonten die besonderen menschlichen Qualitäten von Hentschel, die ihm völlig zu Recht den Spitznamen „Papi Hentschel" eingetragen haben. In diesem Ehretitel zeige sich die Zugewandtheit des Lehrers, seine ruhige und bedächtige Hilfsbereitschaft gerade gebenüber den schwächeren Schülern, so der Schulleiter, der auch Hentschels verantwortungsvolle Tätigkeit als Sicherheitsbeauftragter der Schule hervorhob. „Wir lassen Sie ungern gehen", war der Schlusssatz in der Abschiedsrede des Direktors, der aber noch nicht die Aushändigung der Entlassungsurkunde folgte. „Jetzt überreiche ich Ihnen die Blumen und das Dankesschreiben des Bürgermeisters, die Urkunde bekommen Sie erst, wenn diese Veranstaltung zu Ende ist. Sonst gehen Sie möglicherweise als ehemaliger Lehrer vorzeitig, bevor alle Reden gehalten sind."

Dass Rudolf Hentschel als Lehrer eine besondere „Marke" war, brachten auch die Schülervertreter Jannis Couvet und Lino Rading zum Ausdruck. Sie erinnerten an Lieblingssätze von Hentschel wie „Ich bin nicht gemein, ich bin wirksam". und das alles mit einem Augenzwinkern. Klaus Overesch, der Sprecher des Lehrerrats fand so manche Parallele zwischen Hentschel und Fußballprofis: so wie Dieter Hoeneß trotz Kopfverletzung in der Schlussphase eines wichtigen Spiels noch zum Torerfolg kam, so konnte Hentschel trotz seiner gesundheitlichen Probleme noch in der letzten Unterrichtsstunde eigenhändig die Zeugnisse ausgeben.

In seinen Abschiedsworten erinnerte Rolf Hentschel an einen Satz aus dem Kolosserbrief, den er aus einem der frühen Schulgottesdienste als Lebensmotto eingeprägt hat: „Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen" (Kol. 3,23). Er dankte für das kollegiale Miteinander am Gronauer Gymnasium und wünschte den vielen jungen Kolleginnen und Kollegen, dass diese Arbeitsatmosphäre auch in Zukunft so bleibe. Und schlussendlich händigte der Schulleiter ihm dann doch die Entlassungsurkunde aus, verbunden mit den besten Wünschen für den neuen Lebensabschnitt.